Apotheken in Baden-Württemberg: Ausblick nach der Reform
Der Ausblick für die Apotheken in Baden-Württemberg hängt stark von der Apothekenreform des Bundes ab. Seit dem 1. Juli 2026 gilt ein höheres Honorar, und das neue Gesetz erweitert, was Apotheken für dich tun dürfen. Ob das reicht, um die Schließungen zu bremsen, ist offen. Hier steht, was feststeht und was du daraus ableiten kannst.
Auf einen Blick
- Der Bundestag beschloss das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) am 22. Mai 2026, der Bundesrat billigte es am 12. Juni 2026.
- Das Fixum steigt seit 1. Juli 2026 auf 9 Euro, zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro.
- Apotheken dürfen mehr pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, impfen und Blut abnehmen.
- Ein höherer Kassenabschlag könnte die Erhöhung teilweise wieder aufzehren.
Was hat der Bund beschlossen?
Das Apothekensterben beschäftigt die Landesapothekerkammer seit Jahren. Zum Hintergrund siehst du im vorherigen Beitrag, warum so viele Apotheken schließen. Die Kammer hatte schon im Januar 2026 bemängelt, dass der Reformentwurf kein höheres Packungshonorar enthielt, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete.
Nach APOTHEKE ADHOC beschloss der Bundestag das ApoVWG am 22. Mai 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD, Grüne und AfD stimmten dagegen, die Linke enthielt sich. Am 12. Juni 2026 billigte auch der Bundesrat das Gesetz, ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses lag nicht vor. Das Gesetz ist der erste Teil des Reformpakets von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Wie viel Honorar bekommen Apotheken künftig?
Die Fixumerhöhung wurde getrennt vom Gesetz per Verordnung geregelt. Das Kabinett beschloss sie am 3. Juni 2026. Nach der Pharmazeutischen Zeitung steigt das Honorar je Packung ab 1. Juli auf 9 Euro und zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro, so wie es im Koalitionsvertrag steht. Zum Vergleich: Seit 2013 lag es bei 8,35 Euro.
ABDA-Präsident Thomas Preis nannte die Umsetzung am 1. Juli 2026 „halbherzig“. Er kritisierte die Stufung und wies darauf hin, dass die Mindestlohnerhöhung schon einen Teil der Anhebung aufzehre. Außerdem plant die Bundesregierung laut Pharmazeutischer Zeitung, den Kassenabschlag auf 2,07 Euro je verordnetem Medikament zu erhöhen. Aus ABDA-Sicht würde das das Honorar ab dem kommenden Jahr faktisch wieder kürzen. Preis sagte zudem, die Erhöhung werde Apothekenschließungen nicht stoppen.
Was können Apotheken künftig für dich tun?
Das ApoVWG will die Apotheke stärker zur Anlaufstelle für Prävention machen. Laut APOTHEKE ADHOC dürfen Apotheken mehr pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, alle Totimpfstoffe verimpfen, testen und venöse Blutentnahmen vornehmen. Unter bestimmten Voraussetzungen können rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Rezept abgegeben werden, zum Beispiel bei Augeninfektionen oder zur Anschlussversorgung chronisch Kranker. Auch assistierte Telemedizin wird möglich.
Streit gab es um die Vertretung durch PTA. Sie dient nach der beschlossenen Fassung der „vorübergehenden Aufrechterhaltung“ des Apothekenbetriebs. Mehrere Länder, darunter Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, warnten, dass sie keine strukturellen Versorgungsprobleme löse. Die CSU betonte im Bundestag den Grundsatz „keine Apotheke ohne Apotheker“.
Welche Leistungen deine Apotheke konkret anbietet, hängt vom einzelnen Betrieb ab, denn Personal, Räume und Schulungen müssen vorhanden sein. Frag am besten vor Ort nach. Eine Beratung ersetzt dabei keine ärztliche Behandlung.
Was ist noch offen?
Zur Reform gehört eine dritte Säule, die Mantelverordnung. Nach APOTHEKE ADHOC enthält sie die Verhandlungslösung für das künftige Honorar, die Aufhebung des Skonto-Verbots und Änderungen der Apothekenbetriebsordnung. Sie sollte am 10. Juli 2026 in den Bundesrat gehen, die Umsetzung hing von dessen Zustimmung ab. Ob und in welcher Fassung sie inzwischen in Kraft ist, konnten wir nicht belegen. Offen ist außerdem, ob der höhere Kassenabschlag zum Jahreswechsel kommt.
Was kannst du konkret tun?
Du kannst dich vor Ort informieren, welche Apotheken in deiner Nähe neue Angebote wie Impfungen haben. Auf der Karte kannst du Apotheken in Baden-Württemberg finden, Übersichten gibt es auch für Mannheim und Heidelberg. Wie sich die Zahl im Land entwickelt hat, kannst du im Einleitungsbeitrag zur Apothekenzahl nachlesen.
Wer eine Stammapotheke hat, stärkt sie schon dadurch, dass er seine Rezepte dort einlöst und Beratungsangebote nutzt. Ob die Reform die Entwicklung dreht, werden die Quartalszahlen der Kammern in den kommenden Monaten zeigen.
Quellen und weiterführende Links
- Baden-Württemberg: „Versorgungssicherheit gefährdet“ – Apothekensterben geht weiter (Stuttgarter Zeitung, 13.01.2026)
- Kabinett beschließt Erhöhung des Fixums (Pharmazeutische Zeitung, 03.06.2026)
- ApoVWG im Bundestag beschlossen (APOTHEKE ADHOC, 22.05.2026)
- ApoVWG passiert den Bundesrat (APOTHEKE ADHOC, 12.06.2026)
- Honorarerhöhung: Politik hat Wort gehalten, aber „halbherzig“ (APOTHEKE ADHOC, 01.07.2026)




















